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Österr. Tagung der AmateurastronomInnen

Herbst 2021 in Linz,
Thema "Himmel in Bewegung ..."

18.-19. Okt. 2019 in Salzburg
Tagungsbericht_2019

Veranstaltungen

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Große Konjunktion von Jupiter und Saturn am 21.12. 

Zusammengestellt von Gottfried Gerstbach 

Alle 20 Jahre überholt Jupiter den doppelt so weit entfernten Saturn am Sternhimmel. Die diesjährige Konjunktion war mit nur 0,1° die engste für mehrere Jahrhunderte und daher von den Sternfreunden in aller Welt sehnsüchtig erwartet. 

Alle 10 Tage rückte Jupiter um etwa 1° näher an Saturn heran, wie die untenstehende Bildserie von Sebastian Voltmer zeigt. Er gab Maria Pflug-Hofmayr die Erlaubnis, sie bei unserem Online-Vortrag am 19.12. zu zeigen:

Die außergewöhnlich enge Konjunktion hatte zur Folge, dass einige Tage lang beide Planeten samt ihren helleren Monden gleichzeitig im Gesichtsfeld eines Fernrohrs zu sehen waren. Auf diesen Anblick freuten sich alle, und Google hatte ein nette Animation gemacht. Unten ist sie aus etwa 20 Bildschirmfotos wieder zusammengesetzt.

Leider war es in diesen Tagen fast überall in Mitteleuropa dicht bewölkt; nur Kärnten machte eine Ausnahme. Doch einige unserer Mitglieder konnten kurze Aufhellungen nützen:

So gelang Michael Jäger am 20.12. bei Puchenstuben ein schönes Video (hier klicken) mit Blick auf den Ötscher. Links ein Ausschnittsbild (f=120mm), auf dem sogar Jupitermonde zu erkennen sind. 

   

Auch Werner Probst sah die Planeten am 20.12. hoch über Diex in Kärnten (Bild rechts: neben Saturn steht sein größter Mond Titan). Eine Zusammenstellung seiner Fotos seit September gibt's hier.

Bei dieser Konjunktion ist die direkte Sicht auf die Bahnebenen der Monde interessant. Während die der Jupitermonde annähernd in der Ekliptik liegen, ist jene von Titan und des Saturnrings um über 20° dazu geneigt. Anfang 2025 sehen wir den Ring und die Bahnen der regulären Monde wieder projizierend.

Weil es zur Großen Konjunktion in ganz NÖ bedeckt war, meldete ich mich zur Videoschaltung der Gesellschaft deutscher Planetarien an. Von den beteiligten Sternwarten konnte nur Rom einige Minuten beide Planeten zeigen, die Sternwarte Gahberg hingegen fast immer. Auf derem 2-stündigen Video sind trotz starker Luftunruhe öfters auch einige Jupitermonde zu sehen, am besten bei Minute 37 und 1:08,4. 

Noch zwei Bilder aus OÖ von H.Koberger und A.Doblinger sowie ein Wolkenlücken-Video von Franz Klauser (Puchenstuben).

 

Meteorschwarm der Geminiden

Leider war es Mitte Dezember in Wien und Niederösterreich fast immer dicht bewölkt. Jedoch konnte Franz Klauser am 15.12. morgens die Gunst der Stunde nützen und eine Bilderserie der Geminiden mit je 20 Sekunden Belichtung aufnehmen. Die hellste Spur (unten) leuchtete sogar einige Minuten nach. Der Radiant im Sternbid Zwillinge ist am oberen Bildrand zu denken.

Eine noch hellere Feuerkugel von etwa -10 mag zog ihre Spur an Jupiter und Saturn vorbei, als Joachim Kruse am 13.12. abends im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) die sich anbahnende "Große Konjunktion" der beiden Riesenplaneten aufnehmen wollte. Das Foto wurde von Spektrum.de zum Bild des Tages gewählt. Für das originale Foto klicken sie hier

 

Feuerkugel und Meteoritenfall am 19.11.2020

Am Donnerstag früh um 4:46 Uhr war über Bayern und Österreich eine extrem helle Feuerkugel zu sehen. Sie tauchte bei Regensburg in 100 km Höhe sehr flach in die Atmosphäre ein und zog eine 290 km lange Leuchtspur bis zum Mürztal, die unglaubliche 26 Sekunden dauerte. Über Linz erreichte sie in 42 km Höhe die Helligkeit des Vollmonds und zerbrach dann in mehrere Stücke, von denen wahrscheinlich einige bei Kindberg niedergegangen sind.

Ihre Bahn wurde von mehreren Meteorkameras (auch von unserer in Martinsberg) aufgenommen, ebenso von hunderten visuellen Beobachtern, die auf Sternschnuppen der Leoniden warteten oder auf dem Weg zur Arbeit waren. Unten eine Aufnahme von H.Koberger von der Sternwarte Gahberg beim Attersee. Einige in Bayern und in Salzburg aufgenommene Videos zeigen die spektakulären Helligkeitsausbrüche der letzten Flugsekunden.

Eine für die Suche nach Fallstücken nötige genauere Analyse der Flugbahn war wegen starker Höhenwinde nicht möglich, außerdem fiel am nächsten Tag Schnee. Daher war eine kurzfristige Suche des Naturhistorischen Museums und einiger Mitglieder unseres Vereins leider erfolglos.

Nach vorläufigen Daten von Dr. Pavel Spurny (unser Partner in Ondrejov) hatte der Körper anfangs 270 kg und eine Geschwindigkeit von 14 km/Sekunde. Die Leuchtspur endete in 25 km Höhe über dem Mürztal. Aus den Fotos der laufenden Fragmentierung lässt sich schließen, dass viele kleinere und zwei kg-schwere Stücke entlang eines 50 km langen Streifens niedergegangen sind:

  

Sterngarten Georgenberg, 25.8.20: Jupiter und seine Monde; Saturnringe

Thema waren die Besonderheiten der zwei Gasplaneten und ihrer Bahnen – und natürlich die Beobachtung ihrer Wolkenstreifen, der hellsten Monde und der Saturnringe. Im August – einige Wochen nach der Opposition – war dafür die beste Zeit. Die Planeten standen noch im Schützen, nur 8-9° voneinander entfernt und werden am 21. Dezember die engste Konjunktion seit Jahrhunderten haben, allerdings in der Abenddämmerung.

Wegen Corona war die Mitnahme des eigenes Fernrohrs bzw. Feldstechers erbeten. Doch auch ohne Fernrohr bzw. Fernglas gab es eingeschränkte Möglichkeiten zur Beobachtung – mit Maske und Desinfektion von Instrumentenknöpfen und Okular.

Kurzbericht (G. Gerstbach, 26.8.): 

Den Abend leitete Gottfried Gerstbach, bei den Beobachtungen halfen die AV-Mitglieder Bernhard Dewath, Erika Erber und Peter Reinhard. Auf der Homepage hatten sich 13 Teilnehmer angemeldet (wegen Corona erbeten), gekommen sind aber wie erwartet deutlich mehr.

Die insgesamt 25 Teilnehmer brachten 6 Teleskope (Ø 8 bis 18 cm) und mehrere Feldstecher mit, zwei Neumitglieder hatten sie extra für diesen Abend gekauft. In der Dämmerung demonstrierten wir die jährlichen Planetenschleifen von Jupiter durch eine lange "Sichtstange", gefolgt von einer ppt-Präsentation und einigen Fotos von Jupiter, Saturn und ihren Monden. 

Mit den Feldstechern wurden 2-3 Jupitermonde beobachtet (Ganymed stand hinter Jupiter, Io zog vor ihm vorbei). Für die wechselnde Beobachtung mit den Teleskopen wurde Maske und Desinfektionstuch verwendet

Bei Vergrößerungen 20 bis 60x sah man 2-3 Jupiterbänder (das NTB ist derzeit schwach) und den Schatten von Io. Bei Saturn 3-4 Monde, jedoch die Cassini-Teilung im Ring nur teilweise. Einer der "jungen Beobachter" hatte an einem Leihfernrohr des Astrovereins eine Digitalkamera montiert – am Display war die Luftunruhe (Höhenwinkel nur 18°) deutlich erkennbar, interessanterweise aber Io's Schatten besser als direkt im Okular,

Rechts meine Zeichnung des Jupiter vom 21.8.2020. Sie entstand in etwa 15 Minuten am 6"-Refraktor der Sternwarte Gahberg (Attergau) bei 200-facher Vergrößerung. Die Luftunruhe war trotz nur 20° Höhenwinkel relativ gering. In Wien wären solche Details meist erst bei 8-10 Zoll Öffnung erkennbar.

 

Perseidennächte im Sterngarten am 11. und 12. August 2020

Beobachtung der Perseiden-Sternschnuppen in mehreren unabhängigen Gruppen, jeweils ab 21 Uhr, bei guter Sicht bis 1 Uhr.

Leitung: Gottfried Gerstbach, Georg Zotti, Bernhard Dewath, Wolfgang Tuma
Anmeldungen 12 bzw. 78, tatsächliche Teilnehmer jeweils fast doppelt so viele (:-)

Kurzbericht (G. Gerstbach, 14.8.):

Am 11.8. kamen etwa 25 Besucher, doch leider auch Wolken. Trotzdem sahen wir von 21:10 bis 22:05 Uhr 10 Perseiden, davon 2 heller als Jupiter. Die Wartezeiten wurden für viele interessante Fragen zu Meteoren, Kometen und zur Sternentstehung genützt.
Um 23:40 klarte es wieder auf, die vier ausdauerndsten Beobachter wurden bis 1 Uhr mit 27 Meteoren belohnt.

Am 12.8. bei idealem Wetter waren es etwa 120 Besucher (~30 Mitglieder des Astrovereins), die meist auf der Wiese lagerten und fröhliche Stimmung verbreiteten. Im Laufe des Abends traten 4 der Besucher dem Verein bei (:-)
Um 21:19 als Ouvertüre eine Feuerkogel quer über den halben Himmel, danach Erklärungen über Herkunft und Natur der Perseiden und zu den hellsten sichtbaren Sternbildern.
Bis 23:30 kamen insgesamt knapp 50 Perseiden, unabhängig gezählt in 2 Beobachtergruppen. Etwa 20% waren heller als Jupiter, von den Kindern mit Jubelschreien begrüßt. Danach sahen wir zu Dritt bis 1 Uhr weitere 47 Meteore auf 2/3 des Himmels (am ganzen Himmel wären es ca. 70 gewesen).

Resumé: Aus diesen ~120 Perseiden folgt eine Rate von 20–45 pro Stunde, für den einzelnen Beobachter 1/3, also um Mitternacht ~15 pro Stunde. Dies passt genau zur maximalen ZHR-Rate von 100 für Gebirgshimmel, wenn man die Grenzhelligkeit im Sterngarten (5 statt 6.5 mag) und die Höhe des Perseus (sin 25-40°) in die Formel eingibt. 

 

Neowise W.Schröter 15.7.20 Wr.Höhenstraße, f=100

Komet Neowise

Der im März 2020 entdeckte Komet C/2020 F3 mit einer Umlaufzeit von 6.000 Jahren war der hellste in Europa sichtbare Schweifstern seit Hale-Bopp 1997.  Er wurde um die Zeit seines Perigäums (3. Juli) mit bloßem Auge sichtbar, was für die meisten Sternfreunde weltweit eine Premiere darstellte.

Unser gemeinsamer Beobachtungsabend am 17. Juli im Sterngarten Georgenberg war ein voller Erfolg:

Nach dem Regen klarte es von Nordwesten her völlig auf, ein erstaun lich dunkler Himmel mit Grenzhelligkeit 5 mag überraschte die etwa 20 Teilnehmer. Gegen 21:45 wurde der Komet in ca. 20° Höhe zwischen den restlichen Wolken sichtbar.

Mit zunehmender Dunkelheit erschien der Kometenschweif freiäugig mit 3-4° Länge, in den mitgebrachten Feldstechern sogar bis zu 6°. Zur Sicherheit (Corona) wurden die Geräte bei Beobachterwechsel mit Desinfektionstuch abgewischt.

Im Fernglas 10x50 sah der Komet etwa so aus wie im Foto von Wolfgang Schröter vom 15.7., aufgenommen von der Höhenstraße zwischen Wien und Klosterneuburg.
Am Horizont sieht man die Lichtkegel von 4 Scheinwerfern, die die Burg Kreuzenstein anstrahlen. Sie können die Aufnahme gerne als Demonstrationsfoto gegen sinnlose Lichtverschmutzung verwenden!

Zweiter Beobachtungsabend am 25.7.: Neowise war schon schwächer (kaum mehr freisichtig) und der Schweif 50% kürzer. Die Gäste waren dennoch zufrieden, hatten doch die meisten noch nie freiäugig einen Kometen gesehen. 

In den Tagen davor beobachteten ihn zahlreiche unserer Mitglieder auf ihren eigenen Stationen. Unten: Foto von Walter Primik am 10.7. morgens (Kollmitzberg, NÖ). Als seltene Draufgabe: leuchtende Nachtwolken in der Stratosphäre!

Rudolf Pavuza (Wien 19) sah am 8.7. diese Nachtwolken so eindrucksvoll, dass sie den Kometen überdeckten. Am 10.7. um 3h war es zwar dunstiger, aber Neowise kam am Foto (unten) sogar ohne Stativ heraus. 

Rechts ein Ausschnitt aus einem Video von Georg Zotti (Wien 13) am 14.7., wo um 23h ungewöhnlich gute Sicht war. Er schrieb:

Gestern konnte ich endlich den Kometen "ordentlich" beobachten. Es visuell zu tun und nicht nur zu fotografieren, ist unbedingt empfehlenswert. Man ist sozusagen live im Weltraum. Die strahlende Koma im Teleskop anzuschauen, sich in das Objekt hinein zu denken und beim Zeichnen immer mehr Details zu erkennen, ist ein Erlebnis erster Klasse ...

Unten links:  Komet Neowise, Zeichnung von Gottfried Gerstbach am 13.7.20 um ca. 23:50, Wien 13 (Dobson-Spiegelteleskop 30/150 cm, 60-fache Vergrößerung, verkehrtes Bild). Trotz des Höhenwinkels von nur 5° (3/4 des Schweifs bereits im Dunst verschwunden) sind Details der Schweifstruktur sichtbar. Sie betreffen etwa ein Zehntel des Schweifs im obigen Foto.

Rechts: Zeichnung von Alex Hochstöger am 24.7. um 23:30 auf dem Hochbärneck, nördlich des Ötscher. Vergrößerung 32x, Gesichtsfeld ca. 3°, Komet zwischen großem Bär und Jagdhunden.


Soweit einige Beobachtungen unserer Mitglieder. Im Internet finden sich tausende Fotos, denn Neowise war der hellste Komet seit über 20 Jahren. Vor lauter Freude über die moderne Fototechnik, mit der auch Amateuren tolle Fotos gelingen, gerät allerdings die visuelle Beobachtung fast in Vergessenheit – und damit die Faszination, live und staunend ins Universum einzutauchen ...