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Georg Zotti, Juni 2019

 

In den späten 1980er Jahren starteten Wolfgang Vollmann und Michael Pietschnig die Entwicklung eines PC-Programms für astronomische Berechnungen, das für die Urania-Sternwarte, damals unter Leitung von Hermann Mucke, und das damals händisch eingestellte Doppelfernrohr maßgeschneidert war. Es sollte alle nötigen numerischen Angaben für die vielfältigen Aufgaben bei Sternführungen beantworten und bis dahin verwendete Sternzeitwecker oder ähnliche Geräte unnötig machen, aber auch abseits des Teleskops zur Lösung aktueller und auch historischer Fragen verwendbar sein.

Das Paket "UraniaStar und Sternkarte" wurde im Sternenboten 1990/12 für den Führungsbetrieb auf der Urania-Sternwarte vorgestellt. Damals konnte die Bildschirmausgabe eines IBM AT03 (80286 CPU mit 80287 Coprozessor, EGA-Graphik, 640kB RAM, 30MB-Festplatte, DOS) mittels Overhead-Projektion an die Projektionswand neben dem Kuppelspalt geworfen werden. Einer der damals üblichen 3-Augen-Videobeamer wäre in der Kuppel mit ständig wechselnden Temperaturen unjustierbar gewesen.

Im Sternenboten 1992/9 stellten die beiden Autoren Ihr Programm ausführlich vor und boten es auch anderen Interessierten zum Verkauf an.

Bis zum Ende der Amtszeit Prof. Muckes als ehrenamtlichem Leiter der Urania-Sternwarte 2001 war der UraniaStar im Einsatz. Es war für den Führungsbetrieb und das Führungsteam unentbehrlich, auch wenn die graphische Ausgabe des DOS-Programms auf EGA-Schirm (640x350 Pixel!) in der schnellebigen Computerzeit schon damals technisch veraltet war. Und so blieb der UraniaStar im Führungsbetrieb des Sterngartens ein wichtiges Hilfsmittel, für das auch einige alte PCs aufgehoben werden mußten, da eine normale Installation nur bis Windows XP möglich war.

2011 eröffnete sich mir eine Möglichkeit, das Programm doch wieder auf modernen PCs auszuführen: eine "Virtuelle Maschine", ein Computerprogramm, das einen anderen Computer genau abbilden kann, ermöglicht die Ausführung derart alter Programme. Aufgrund von Verwendbarkeit auf mehreren Plattformen bis hin zum Einplatinenrechner Raspberry Pi entschloß ich mich zur Installation unter QEMU. Meine alten DOS-Disketten funktionierten noch, und bald hatte ich wieder die lange nicht gesehenen Graphiken in einem Fensterchen, das nicht einmal ein Viertel eines heutigen Standardmonitors füllte. Außerdem war die EGA-Graphik seltsam skaliert und machte programmierte Kreise zu Ellipsen. Einige Jahre später ermöglichte eine neuere Version von QEMU auch, das Fenster zu skalieren und die Ellipsen zu entzerren. So läuft das Programmpaket also auch 30 Jahre nach seinen Anfängen, allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler: das Sternkartenprogramm "vergißt" auf ein abschließendes Bildschirm-Update, bis man z.B. die Leertaste drückt.

UraniaStar wird schon lange nicht mehr weiterentwickelt, und Anwender finden auf dem freien Markt viele ähnliche Produkte mit modernerer Benutzeroberfläche für alle gängingen Betriebssysteme. Die beiden Autoren, Wolfgang Vollmann und Michael Pietschnig, haben freundlicherweise zugestimmt, das Festplatten-Image für die "virtuelle Maschine" zum Download zur Verfügung zu stellen. Ich habe die Installation unter FreeDOS neu aufgebaut, um auch nicht "versehentlich" ein MS-DOS5 zu verbreiten.

Bitte haben Sie Verständnis, dass es abseits dieser einen Seite keinerlei weiteren Support und keine Anfragen, insbesd. an die Autoren, über UraniaStar geben kann. Das Konzept heißt AbandonWare und soll bewährte Software "im Prinzip zugänglich" erhalten, ohne die Autoren mit Detailfragen aus früheren Jahrzehnten zu belästigen. Aber wir richten nicht Ihren Computer ein, bitte fragen Sie im Bedarfsfall Ihren lokalen Computerexperten um Hilfe! Wir wissen nicht mehr über QEMU als in der Dokumentation steht. Die Autoren oder der Astroverein haften nicht für Probleme oder gar Störungen der Betriebsfähigkeit ihres PCs, die sich möglicherweise durch Verwendung dieser Software ergeben könnten. (Es sind Mitte 2019 keine Probleme für Windows7- oder Windows10-Systeme bekannt.)

Installation

Zur Installation und Betrieb benötigen Sie QEMU und das Festplattenimage mit Startdatei.

Die Ausführungen beziehen sich auf Windows 7 oder Windows 10. QEMU läuft auch auf Linux oder Mac, nur kann ich sie nicht alle testen. Die entscheidende Befehlszeile ist in der unten beschriebenen Kommando-Batch-Datei US_QEMU.bat auf das System ihrer Wahl zu übernehmen.

Installieren Sie QEMU 3.0 oder später, je nach Ihrem Computer, 32-bit oder 64-bit-Version. Bei der Installation reicht es, die Virtuellen Maschinen i386 und i386w zu installieren, andere Plattformen (MIPS, SPARC, PPC, ARM, ...) benötigen wir nicht. Als Installationspfad wird C:\Program Files\qemu vorgeschlagen, bitte beibehalten, oder Sie haben weiter unten mehr Arbeit.

Es ist unter Windows 7 und später nur mit Administrator-Rechten möglich, das Festplatten-Image innerhalb des Programm-Ordners zu platzieren. Daher benötigen wir einen Platz im Privatbereich Ihres User-Accounts, oder in einem beliebigen Nicht-Systemverzeichnis, auch auf einer zweiten Festplatte wie D:\UraniaStar_QEMU. Entpacken Sie also das Archiv AstroSoftware.2018.UraniaStar_QEMU.zip und stellen Sie das ausgepackte Verzeichnis zum Beispiel in C:\Benutzer\IHR_NAME\Dokumente\UraniaStar_QEMU.

In diesem Verzeichnis finden Sie eine Datei US_QEMU.bat. Falls Sie das QEMU-Installationsziel C:\Program Files\qemu geändert haben, müssen Sie diese Datei mit einem Texteditor (NotePad, Notepad++, etc. -- NICHT mit Word!) bearbeiten und den Pfad am Beginn der Datei anpassen.

Technisch ist der UraniaStar so eingerichtet, dass eine Komplettinstallation (inkusive W. Vollmanns letzten Änderungen, Stand Frühling 2018) in einem Read-Only-Festplattenimage installiert ist. Darüber legt QEMU ein "Delta"-Image, das lokale Änderungen speichert. Das sollte verhindern, dass Sie irgendetwas an der Basisinatallation kaputtmachen können. Es steht Ihnen frei, diese Einrichtung unter Zuhilfenahme der QEMU-Dokumentation zu verändern.

In der Datei US_QEMU.bat wird QEMU gestartet und das Festplattenimage - zusammen mit dem Delta-Image - als Laufwerk C: verwendet. Falls irgendwann etwas kaputtgehen sollte: Kopieren Sie FreeDOS_UraniaStar-GSC_working.qcow2 aus dem ZIP-File darüber. Dann sollte es wie frisch installiert funktionieren. Zum Sichern eines konfigurierten Systems (Standortdaten etc.) reicht es, dieses Delta-Image (FreeDOS_UraniaStar-GSC_working.qcow2) zu speichern. Sie können auch mehrere Versionen einrichten, mit mehreren Kopien des US_QEMU.bat und jeweils anderen DELTA-IMAGES. Die Dokumentation von QEMU hilft Ihnen weiter.

Es sind 2 Versionen enthalten:

FreeDOS_UraniaStar(_working).qcow2
Vormals die Standardinstallation. Als Zusatzpaket gab es, und ist hier als Standard eingerichtet:
FreeDOS_UraniaStar-GSC(_working).qcow2
UraniaStar mit Hubble Guide Star Catalog, das waren ursprünglich 41 3.5" Floppy Disks, die entweder zusammenkopiert werden mußten oder zu deren Einlegen bei Bedarf vom Sternkartenprogramm aufgefordert wurde.

Wenn Sie Platz sparen möchten, löschen Sie die nicht benötigte Version und passen Sie ggf. den Aufruf in der US_QEMU.bat an.

Optional: Ziehen sie eine weitere Verknüpfung von US_QEMU.bat als US_QEMU.lnk (oder unter anderem Namen) auf Ihren Desktop, oder erzeugen Sie eine Verknüpfung auf der Taskleiste.

 

Bekannte Probleme

  • Das Fenster wird seit QEMU2 wieder auf feste Proportionen skaliert, die 640x350-Pixel-Graphik des EGA-Schirms erscheint daher gestaucht.
  • Das Fenster kann über Menüeintrag: View-->Zoom To Fit und dann Anfassen des Fensterrahmens wie erwartet skaliert werden. Diese Einstellung wird leider nicht gespeichert.
  • Das Programm "Sternkarte" bleibt beim Bildaufbau hängen. Drücken Sie die Leertaste, ggf. auch mehrmals. Angeblich kann das mit der virtuellen Maschine DOSBOX vermieden werden. Die Umwandlung des QEMU-Festplattenimages in das geeignete Format ist Hausübung.

Falls Sie eine Lösung für eines der Probleme finden, wäre das ein Grund, in dieser Sache doch mit uns Kontakt aufzunehmen.