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Österreichische Tagung der AmateurastronomInnen

18.-19. Oktober 2019

 

[Ausfuehrlicher Tagungsbericht_2019 pdf]

 

Nach 15-jähriger Pause gab es auf Initiative von Gottfried Gerstbach (Vorsitzender ÖAV) und Helmut Windhager (Vega-Sternwarte) wieder eine Tagung der Ama-teurastronomen und –astronominnen. Etwa 90 Personen fanden sich von 18. bis19. Oktober in der Vega Sternwarte ein. Sie liegt idyllisch auf 800m Höhe am Haunsberg, ca. 15 km nördlich von Salzburg.

 

Die Vega Sternwarte des Hauses der Natur

Seit 1988 betreibt das Haus der Natur eine - anfangs kleine - Sternwarte, die nach dem großzügigen Umbau als eine der größten öffentlichen Sternwarten Europas im August 2018 eröffnet wurde. Dabei wurde ein wichtiges Anliegen verwirklicht: Die Sternwarte es ist ein ökologisches Musterhaus!

Betreut und betrieben wird die Vega-Sternwarte von der „Arbeitsgemeinschaft Astronomie“ mit etwa 25 ehrenamtlich Tätigen unter der Leitung von Helmut Windhager.

Obwohl erst ein Jahr in Betrieb gibt es bereits etliche Forschungsprojekte, ein Spektroskopie-Labor, sowie regelmäßige öffentliche Führungen, die sich mit oft einigen hundert Interessierten aus dem In- und benachbarten Ausland reger Beliebtheit erfreuen. Die Sternwarte kann aber auch für Events gemietet werden.

Mehr dazu www.hausdernatur.at/de/astronomie.html

 

Die Themen: Lichtverschmutzung und Visuelles Beobachten

Die Präsentationen sind hier thematisch zusammengefasst, entsprechen also nicht der chronologischen Reihenfolge.

1. Aus den Wissenschaften

Lichtverschmutzung und Lösungsansätze (Stefan Wallner, Universität Wien)


Stefan Wallner berichtete über die Schwerpunkte der Forschung und aktuelle Ergebnisse zur Lichtverschmutzung (LV) in Österreich und weltweit, auch über die Entstehung von „Dark Sky Parks“.

  • Was verstehen wir unter Lichtverschmutzung?
  • Wie wird die Himmelshelligkeit gemessen?
  • Welche Folgen hat die Lichtverschmutzung (LV)?
    Nachweislich hat die LV einen großen Einfluss auf nachtaktive Tiere, besonders Insekten sind stark gefährdet. Aber sie beeinflusst ebenso den Menschen, der Tag-Nacht-Rhythmus (Zirkadianer Rhythmus) wird gestört.
  • Ist die Umstellung von Straßenlaternen auf LED wirklich optimal?
    Aktuell werden in einigen Städten die früheren Natriumlampen auf LED umgestellt. Sie sparen Energie und sind kostengünstiger.
    Dabei ist aber auf die Farbtemperatur der LEDs zu achten: LEDs bis 3000K haben einen höheren  gelb-orangen und geringeren blauen Anteil, sie sind deshalb für Menschen sehr viel gesünder als jene mit 4000K oder mehr, die einen deutlich höheren Blauanteil haben.

Was können wir tun? Eine ganze Menge, z.B.

  • Anwendung der richtigen LEDs (1800 bis 3000K)
  • Dimmung und Nachtabsenkung
  • Bewegungsmelder
  • Keine Lichtabstrahlung über dem Horizont, dh. keine Kugellampen


Der „Österreichische Leitfaden für Außenbeleuchtung“ enthält genaue Angaben und Hinweise für Licht, „das mehr nützt als stört“
Download: Leitfaden_Aussenbeleuchtung.pdf


Naturnacht - wo man sie noch findet
Christoph Goldmann (Kuffner-Sternwarte, NHM, IDA Austria)

Christoph Goldmann stellte das interdisziplinäre Projekt „Lebensraum Naturnacht“ vor. Denn die „Natur-Nacht“ ist genauso wie die „Nacht-Natur“ stark gefährdet. Deshalb soll der Nachthimmel als ein zu schützendes Gebiet erkannt werden.

Positive Beispiele sind Schutzgebiete, „Sternenlicht-Reservate“:
•    das Wildnisgebiet Dürrenstein
•    der Nationalpark Kalkalpen in OÖ
•    Großmugl

Was können wir tun?
„Retten was zu retten ist“ durch regionales Engagement, Rücksichtnahme, Selbstbeschrän-kung, u.v.a.

Mehr dazu: projekt_lebensraum_naturnacht
http://kuffner-sternwarte.at


Asteroseismologie - Beobachtung und Studium variabler Sterne wie unserer Sonne
Paul Beck, Universität Graz

Asteroseismologie erforscht den Aufbau und die Evolution von Sternen, indem sie „Sternwellen“ untersucht. Die Helioseismologie untersucht die Sonne, in deren Schichten sich unterschiedliche „Wellen“ bewegen: Sie durchlaufen den Stern und bilden bestimmte Schwingungsmuster,. Dadurch verursachte Veränderungen können von der Erde aus analysiert werden. Durch immer bessere Messmethoden erweitert sich der Bereich der Asteroseismologie beständig.



Die 10 ungelösten Rätsel des Universums. Oder: „ich weiß, dass ich nicht(s) weiß ...“
Norbert Frischauf, CERN Genf

Norbert Frischauf nahm uns mit auf eine spannende Reise zu den Grenzen unserer menschlicher Vorstellungskraft, hin zu den Extrembereichen unseres Universums.
In der Welt des Größten ist diese Grenze für uns die „Lichtmauer“ bei etwa 9,3 x 1026 m.  (Relativitätstheorie). In der Welt des Kleinsten ist es die Planck-Länge von 1,6 x 10-35 m, die durch die Quantenphysik definiert wird. Leben – so wie wir es kennen - findet wahrscheinlich nur in dem „mittleren“ Bereich statt, der durch die Klassische Physik beschrieben wird.

Die  meisten Rätsel finden sich an den Randbereichen dieses Spektrums, aber drei betreffen auch uns selbst:
Was ist Bewusstsein und wie funktioniert es? Wie ist das Leben entstanden? Und: Sind wir alleine im Weltall?

Vier der Rätsel betreffen die Welt des Kleinsten, die Quantenphysik:
Wo kommen die höchstenergetischen Teilchen her? Gibt es ein unteilbares Teilchen, ein atomos? Sind superschwere stabile Kerne möglich? Was ist unter der Wellen-funktion zu verstehen?

Weitere drei Rätsel betreffen den Makrokosmos, das was um uns herum ist:
Was ist Realität? Was war vor dem Urknall? Was ist Dunkle Materie und Dunkle Energie?

Fazit:  Wir leben in einer interessanten Welt …(und das größte Rätsel sind wir wahrscheinlich selbst!)


2. Aus der Praxis

Visuelle Beobachtung unter Stadtrand-Himmel
Gottfried Gerstbach, ÖAV und TU Wien

Angeregt durch die inneren Widersprüche, dass wir selbst auf der Suche nach „guten Plätzen“ zum Beobachten erst recht wieder die Umwelt verschmutzen, machte uns Gottfried Gerstbach das visuelle Beobachten in verbautem Gebiet schmackhaft: Sogar von der Stadt aus gibt es - mit etwas Geduld - eine Menge zu sehen!

Vorteile
•    Naturnahes Erleben, kurze Wege
•    weniger Licht- und Umweltverschmutzung
•    kostengünstig und flexibel
•    Himmelskontakt mit allen Sinnen
•    Das Auge „lernt“: es macht Freude allmählich immer mehr zu entdecken, zB bei Sternhaufen ….

Fazit: Auch mit wenig oder gar keiner Technik lässt sich der Himmel genießen!

Empfehlung: Führen eines Beobachtungsbuches,denn Skizzen und Notizen vertiefen die Erfahrung

[Beispiele von Skizzen s. Tagunsgbericht]


Beobachtungsplanung mit dem ObjectTracker/CCD-Guide
Bernhard Hubl, Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut

Seit 1997 veröffentlicht der Astronomische AK Salzkammergut jährlich eine DVD „CCD-Guide“ mit 5000 Aufnahmen von 52 Fotografen und der Software „ObjectTracker“.  
Die umfangreiche Datenbank enthält 1100 bekannte und auch weniger bekannte  Himmelsobjekte. Der CCD-Guide berücksichtigt zahlreiche Kriterien und hilft dadurch Einsteigern und versierten Beobachtern bei der Beobachtungsplanung, auch von Deep Sky-Objekten.
Mehr dazu:  ccdguide.com


Der Gahberg-Katalog 2020
Rudolf Thiemann, Wels

Der Gahberg-Katalog enthält eine Sammlung von etwa 220 Himmelsobjekten, die von der Sternwarte Gahberg bzw. vom 48. Breitengrad aus (also mit einer Deklination   -30°) visuell interessant sind. Sie sind nach Sternbild und Rektaszension gereiht.
Erscheinungsdatum: voraussichtlich März 2020

Visuelle Beobachtungen und Lichtverschmutzung im Industrieviertel
Gerald Biribauer, BAA

Gerald Biribauer erzählt über Erfahrungen beim Beobachten von verschiedenen Standorten in Nö (Neunkirchen, Bucklige Welt, Hohe Wand und Schneeberg)


Astrofotografie an der Vega-Sternwarte
Rochus Hess, Salzburg

Die Arbeitsgruppe „Astrofotografie“ besteht aus 7 Personen. Rochus Hess berichtete über aktuelle Projekte, die verwendeten Teleskope, Kameras, Software, sowie erste Ergebnisse.
Fotos auf  https://www.hausdernatur.at/de/astrofotografie.html,
http://www.astrofotografie-hess.at



ÖTA: Rückblick und Vorschau auf 2020

Johannes Stübler präsentierte einen Rückblick auf vergangene Tagungen (Schon 1971 gab es ein Österr. Amateurastronomen-Treffen in Linz) und die Themen für die ÖTA'20, die nächstes Jahr in Linz stattfinden wird.
 

ÖTA 2020 in Linz

Datum: 22.-25. Okt. 2020

Thema: „Himmel in Bewegung – von Astrolabien bis zu Veränderlichen Sternen“

Ort: Ars Electronica Center, Linz

Kepler Sternwarte Linz: http://www.sternwarte.at


Schlussdiskussion

Was bewegt Amateurastronomen und Amateurastronominnen?
> Siehe Extrabericht von Gottfried Gerstbach

 

Vereine stellen sich vor

Die Präsentationen von einigen Vereinen und Einzelprojekten aus den Bundesländern zeigten ein lebendiges und vielfältiges Bild von Aktivitäten mit recht unterschiedlichen Strukturen

  • Astronomischer Arbeitskreis Salzkammergut (Erwin Filimon)
    Seit 1980, Vereinssternwarte am Gahberg bei Weyregg am Attersee
    www.astronomie.at/
    Der 1. Sternenpark Österreichs als Teil des „Naturpark Attersee-Traunsee“ ist in Planung:  http://sternenpark.at
  • Sternwarte Gmunden AURIGA – Traunseeastronomie (Moritz Haslbauer)
    www.auriga.co.at
  • Sternwarte und Astro-Station Hochbärneck, NÖ (Alexander Hochstöger, Roman Hausberger)
    Seit 2003, www.astrostation.at
    Buch von A. Hochstöger: „Mein Griff zu den Sternen“
  •  NÖ Amateurastronomen, Verein Antares  (Franz Klauser)
    Seit 1996, Projekt „VisBeo“ der Sternwarte Michelbach
    www.noe-sternwarte.at
  • Burgenländische Amateurastronomen, BAA (Gerald Biribauer)
    Seit 1992, www.alrukaba.at
  • Astronomische Vereinigung Kärnten, AVK (Christian Zechner)
    Seit 1965, Sternwarte Klagenfurt und SW Gerlitzen
    www.avk.at



Herzlichen Dank!

  …. an Helmut Windhager und sein Team für ihren Einsatz und großzügige Gast-freundschaft: Aufgrund einiger Sonderwünsche, Planänderungen und Nicht-Vorhersehbarem war ein große Flexibilität und auch Humor erforderlich.
  …. an Gottfried Gerstbach und den ÖAV für Initiative und enthusiastische
Hartnäckigkeit, die Idee auch zu verwirklichen.
  … an alle Referenten für ihre aktuellen und spannenden Vorträge.
  … an alle teilgenommenen Personen, die durch ihre Präsenz und Beiträge den Austausch bereichert haben.

 

Bericht: Erika Erber
Fotos: Erika Erber, Gottfried Gerstbach, Hans Reifberger, Hilmar Ott
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