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Vergangene Veranstaltungen

Inhalt:

  • Österreichs Meteorstation im Waldviertel (ca. 7 Seiten)
  • Blitzer – eine seltsame Art von Meteoren (ca. 4 Seiten)
  • Perseiden-Nächte (alljährlich)
  • Meteorfragebogen
  • Vollautomatische Meteorkamera (Kurzbericht)

Aktuelles: der 8. "Austro-Meteorit!

Meteorit vom 19.11.2020 bei Kindberg gefunden – erstmals in Österreich seit 44 Jahren!

Am 19. November 2020 um 04:46 konnten einige Meteorstationen (unsere in Martinsberg steckte leider im Nebel 😟) – eine extrem helle Feuerkugel aufzeichnen, die von Tschechien kommend bis über Mariazell flog. Am Ende ihrer 300 km bzw. 24 Sekunden (!) langen Leuchtbahn zerplatzte sie 20 km über Kindberg in mehrere Trümmer. Trotz der frühen Morgenstunde haben Hunderte von Menschen in Böhmen und Österreich sowie in Süddeutschland und Italien das grellweiße Spektakel beobachtet, und im Dezember-Newsletter zeigte ich die mögliche Spur eventueller Meteoritenfälle. Pavel Spurny, der wissenschaftliche Leiter unserer Waldviertler Station konnte berechnen, dass der Gesteinskörper anfangs etwa 270 kg wog und einige Kilogramm in der Nähe von Kindberg "gelandet" sein müssten.

Eine rasche Suche von zwei unserer Mitglieder war erfolglos, weil am selben Morgen Schnee gefallen war. Ebenso ging es den Experten des Naturhistorischen Museums. Doch im Juli fand ein Kindberger einen ungewöhnlich aussehenden Stein mit schwarzer Kruste und meldete es Ludovic Ferriére, dem Kurator der Meteoritensammlung am NHM. Nach Sichtung der Fotos war klar: das Stück ist zweifellos ein Meteorit. Unser Prof. Hermann Mucke († 2019) hätte seine Freude gehabt! Denn seit der Gründung des ÖAV vor 97 Jahren konnte die "Meteormeldestelle" von Prof. Oswald Thomas erst zwei solcher Erfolge verzeichnen. 

Insgesamt wurden in Österreich acht Meteorite gefunden, der spektakulärste 1768 (21 kg) bei Mauerkirchen in Oberösterreich. Die anderen wurden ohne Himmelsbeobachtungen – also zufällig – gefunden. Der Kindberger Meteorit stammt, wie eine aufwendige Analyse der Flugbahn ergab, aus dem Asteroidengürtel und muss ein altes Bruchstück eines Apollo-Asteroiden sein, der viele Millionen Jahre nach seiner Absprengung im "richtigen" Zeitpunkt die Erdbahn kreuzte. Er gehört zur selben Gruppe wie jener, der im Februar 2013 bei Tscheljabinsk (Russland herabkam) und viele Tonnen wog.

Das keilförmige Fundstück mit etwa 7 x 5 x 4 cm wiegt 0,24 kg und stellt nur etwa 10-20% der herabgefallenen Teile der Feuerkugel dar. Dass weitere gefunden werden, ist wegen der inzwischen eingesetzten Erosion und Farbveränderung leider unwahrscheinlich. Das seltene Stück wird nun im NHM genau untersucht. Einige Fotos sind hier (Antenne Steiermark) zu sehen, zwei Fotos der Leuchtspur von unserem Schwesterverein am Gahberg hier.
Gottfried Gerstbach, Nov. 2021

 

    

Österreichs Meteorkamera-Station im Waldviertel

Zum Projekt des Österreichischen Astronomischen Vereins und der zugehörigen landesweiten Spendenaktion zum Astronomiejahr 2009

Von Prof. Hermann Mucke, Astronomisches Büro, Wien
(aus dem Sternenboten Heft 9/2008, leicht gekürzt)

Als unser Astronomisches Büro 1907 von Univ.-Prof. Oswald Thomas in Kronstadt (Brasov, heute Rumänien) als Sammelstelle für Meteormeldungen  gegründet wurde, war die Meteorwissenschaft auf freisichtige Beobachtungen angewiesen. Verständnis und Verlässlichkeit möglichst vieler Beobachter war entscheidend. Dazu mußte Thomas ein ausreichendes Wissen in der Bevölkerung aufbauen - woraus unsere Gesellschaft 1924 entstand. Mühevoll wurden Beobachtungen von Feuerkugeln und Meteorströmen gesammelt und mittels Handrechnung ausgewertet. Jetzt wollen wir das ändern - und können es auch! Zuvor jedoch aber noch ein kurzer Rückblick.

Vom bloßen Auge zur Automatischen Kamerastation

Die erste Fotografie eines Meteors gewann L.Weinek am 27. November 1885. Erstmals gelang A.Wegener aus freisichtigen Beobachtungen nach Bahnerfassung ein Meteoritenfund (Treysa, heute Schwalmstadt, BRD, Fall: 3.Apr.1916). Radarbeobachtungen von Meteoren machten erstmals S.Hey und G.S. Stewart im Juni 1945. 1951 begann das Doppelkamera-Programm in Ondrejov CSSR, in dessen Verlauf Z.Ceplecha eine mehrspurige Feuerkugel fotografieren und daraufhin mehrere Meteoriten bergen konnte (Pribram, 7.Apr.1959)! Bald begannen Feuerkugelnetze zu arbeiten: 1963 das Prairie Network des Smithsonian Astrophysical Observatory in den USA und das Tschechoslowakische Netz der Akademie der Wissenschaften der CSSR, 1968 das Netz der DLR in Deutschland, 1971 das Meteorite Observation & Recovery Projekt MORP in Canada und 1973 das Netz in England. Heute umfaßt das "Europäische Feuerkugelnetz" Stationen in Tschechien, Deutschland, Slowenien, Belgien, der Schweiz und auch eine in Österreich (s.Heft 3/2007); die Zentrale befindet sich in Ondrejov.

Vollautomatische Kamerastationen

Im tschechischen Teil des europäischen Netzes wurden die manuellen Meteorkameras in den letzten Jahren zu vollautomatischen Kamerastationen weiterentwickelt. Diese sind viel verläßlicher und leistungsfähiger. Sie haben folgende Eigenschaften:

  • Ausmaße 80x60x60cm, 120kg, wasser- und staubdicht, klimatisiert.
  • Fischauge Zeiss Hasselblad, f/3,5, f=30mm, Bild 8cm Durchmesser, Örter 1�.
  • Sensorengruppe. Sie arbeitet im Netzwerk und erfaßt: Bewölkung (hochempfindliche CCD-Kamera zur Feststellung der sichtbaren Sternzahl zur Bestimmung der Belichtungsgrenzen) / Gesamthimmelshelligkeit (lichtelektrisch mit Uhrzeit, 500 Messungen/Sekunde, sehr genaue Lichtkurve von Feuerkugeln, mit Alarmierung bei hellen Erscheinungen durch eMail bzw. SMS) / Geräusche (10 min bei genügend hellen Erscheinungen aktiv).
  • Niederschlags-Detektor. Prüft und steuert die zwei Abdeckungen.
  • Magazin für 32 vollautomatische Aufnahmen auf mittelempfindlichem, panchromatisch-feinkörnigem Planfilm 9x12 (Ilford FP4, optimal für Meteoraufnahmen im Vergleich zu CCD bei nachtlanger Belichtung und mit dem sehr großen erforderlichen Belichtungsspielraum (~15mag). 3 Blatt-Drehunterbrecher vor dem Film, Magazinwechsel manuell alle 5-7 Wochen.
  • Kontrolltafel, Lüfter und Abdeckungen

Bild: Pavel Spurny

Stromversorgung, Stomausfallsicherung und Internetverbindung:
Die Kamerastation ist auf minimalen Stromverbrauch 230V/50Hz ausgelegt; die Klimatisierung braucht bei extremen Wetterverhältnissen bis 1 kW. Bei Stromausfall wird gespeichert, sicher in den Schlafmodus gefahren und danach wieder klaglos angeschlossen. Die Kamerastation wird über Internet geführt. Alle Tätigkeiten werden auf die Festplatte des eingebauten Computers geschrieben und täglich an den zentralen Server in Ondrejov weitergeleitet.

Das Tschechische Feuerkugelnetz und ein Beispiel

Die Vorteile der neuen vollautomatischen Stationen sind erweiterte Ergebnisse und besonders der Wegfall der bei manuellen Stationen stark hindernden allnächtlichen Betreuung. Nötig sind nur dunkler Himmel, niedriger Landschaftshorizont sowie Strom- und Internetverbindung. Das tschechische Feuerkugelnetz durchlief seit 1963 eine stete Entwicklung; der Stand vor 32 Jahren wurde von Z.Ceplecha im Sternenboten 19., Heft 1, p.2-9, Januar 1976, beschrieben. Es wird vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Ondrejov geführt und finanziert. Die Karte zeigt 11 Stationen; 8 waren (Stand 2006) bereits mit den vollautomatischen Kamerastationen von SPACE DEVICES, CZ 26718 Meznoun, ausgerüstet. Weitere sind geplant.

 

Das Projekt der automatischen Meteorkamerastation in Österreich zum Astronomiejahr 2009 - Spendenaktion

Nach langer Standortsuche (hpts. durch Gerhard Huber) wurde bei der Waldviertler Sternwarte Orion in der Marktgemeinde Martinsberg im Waldviertel NÖ, Bezirk Zwettl, 20 km nörd. Melk, ein Ort mit genügender nächtlicher Dunkelheit, niedrigem Landschaftshorizont und ganzjähriger Zufahrt gefunden (15°07�38" E / 48°22�55" N / 860m nahe Sternwarte, zu dieser siehe Heft 11/2007; sie wird von Gerhard Janu geleitet).

Südöstlich des Sternwartenbaues wird auf Gemeindegrund ein Kameraturm aus Brunnenringen errichtet und ab dem 400m entfernten Anwesen von Erich Schindler von einem eigenem EVN-Anschluß mit Strom versorgt. Die Kamera wird mit einem LKW-Ladekran auf- bzw. abgesetzt; mittels Leiter bis zur Deckplattform erfolgt der Tausch des Filmmagazins alle 5-7 Wochen.

Die Herstellung und der Betrieb der Kamera stützt sich auf große und langjährige Erfahrung der tschechischen Kollegen und kann so direkt den tschechischen Teil des Europäischen Kameranetzes erweitern. Dem entspricht auch die Lage von Martinsberg in idealer Weise. Ebenso "paßt" die Station des Astronomischen Arbeitskreises Salzkammergut auf dem Gahberg (OÖ) mit ihrer an den deutschen Teil des Europäischen Feuerkugelnetzes angelehnten Kamera dazu – zu ihren Erfolgen siehe Heft 3/2007!

Das Projekt erfordert bis zur Fertigstellung im Frühjahr 2009 rund 80 000 Euro. Diese Summe wird mehrteilig aufgebracht: Aus z.T. schon aufgewandten Eigenmitteln unserer Gesellschaft, einer vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in Aussicht gestellten Förderung, dank weiterer Sponsoren und aus einer mit diesem Heft begonnenen 3. Sternenboten-Spendenaktion.

Dank

Schon im Vorfeld hat uns em. Univ.-Prof. Dr. Hermann Haupt, Wirkliches Mitglied der Österr. Akademie der Wissenschaften und langjähriger Vorstand des Instituts für Astronomie der Universität Graz, mit einem unser Projekt fachlich empfehlenden Gutachten dankenswert die Wege geebnet. Ebenso durften wir uns der Förderung durch ein solches vom international bekannten österreichischen Meteoriten-Experten und Seniorkurator der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums in Wien, em.Univ.-Prof. Dr. Gero Kurat, erfreuen. Der Sachbearbeiter unseres Projektansuchens im Bundesministeriums für Unterricht, Ministerialrat Dr. Daniel Weselka, zeigte großes Verständnis für unser Anliegen und stellte eine Förderung durch das Ministerium in Ergänzung unserer Eigenleistungen in Aussicht.

Als unser Projekt greifbarer wurde, erhielten wir wertvolle fachlich-organisatorische Beratung von Dr. Pavel Spurny vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Ondrejov. Dem Direktor der Hauptschule Martinsberg und Bürgermeister der Marktgemeinde Martinsberg, Johann Höllrigl, danken wir für die freundliche Unterstützung weit über das "Amtliche" hinaus und der begeisterte Wiedererwecker der Waldviertler Sternwarte Orion, Dentist Gerhard Janu, war als Obmann des Vereins Waldviertler Sternwarte Orion für Obhut und Betreuungshilfe vor Ort sofort Feuer und Flamme! Eine sehr geschätzte Hilfe kam vom Kurator unseres Wiener Planetenweges, Gerhard Huber, durch sein Angebot, die Kamerastation von Wien aus zu betreuen - suchte er doch auch lange und intensiv mit nach einem geeigneten Ort.

Dieses Projekt zum Astronomiejahr 2009 wäre ohne die breite Basis unserer Gesellschaft nicht durchführbar - war der Österreichische Astronomische Verein doch schon seit Anfang des 20.Jahrhunderts auf diesem Gebiet durch Univ.-Prof. Dr. Oswald Thomas tätig. Ein langjähriges Vorstandsmitglied war Josef Trinko, der Erbauer der Sternwarte Martinsberg. Auch die Nachfolger von Senatsrat Dipl.-Ing. Johann Albrecht als Vorsitzender unseres Vereins und Eduard Rauscher als Kassier, Univ.-Prof. Dipl.Ing. Robert Weber und Wolfgang Valentin sowie Norbert und Alice Pachner halfen umsichtig mit und freuten sich allein 2008 schon über rund hundert neue Mitglieder!

Literatur

Ceplecha, Z., Europäisches Netz zur Feuerkugel-Photographie. Der Sternenbote 19, 1, p.1-9, Astronomisches Büro 1976.

Spurny, P., Borovicka J., Shrbeny L.: Automation of the Czech Part of the European Fireball Network: Equipment, Methods and First Results. Proceedings, IAU Symposium No.236, IAU 2006.


Ausbauschritte 2008 bis 2009

November 2008:
Schon ist ein Drittel der Kamerakosten beglichen und dank der bis jetzt so erfreulichen Spenden auf den Aufruf im Septemberheft konnte bereits die Verlegung der Netz- und Telephon-/Internet-Kabel in einer 430m langen Künette in Angriff genommen werden.

Großer Dank gilt Herrn Erich Schindler für seine Hilfe und Herrn Herbert Schwarzl aus Öd dafür, daß die Kabel durch ihre Felder verlaufen dürfen. Angeschlossen wird im kommenden Frühjahr. Wir danken allen bisherigen Spendern, dank derer diese Arbeiten noch vor Eis und Schnee möglich werden, herzlich für ihre Hilfe und für viele ermunternde Zeilen zu unserem Projekt zum Astronomiejahr 2009!

Dezember 2008 und Jänner 2009:
Rechtzeitig vor dem Kälteeinbruch konnten das Netz- und Telephonkabel von 430m Länge verlegt und dank der Spendenaktion (Heft 9/2008) bezahlt werden. Die 1m tiefe Künette beginnt bei einem dafür von der EVN errichteten Mast und Zählerkasten beim Anwesen des Herrn Erich Schindler und endet neben der Waldviertler Sternwarte Orion. Herzlicher Dank an EVN, TELEKOM, Elektrofirma Ledermüller und Helfer! Wir hoffen, noch Spender für unser wissenschaftliches Projekt zum Astronomiejahr 2009 anzuregen!

Die Verlegung des 430m Netz- und Telefonkabels für die Meteorkamera vom Anwesen Erich Schindlers zur Waldviertler Sternwarte Orion in Öd. (Bild: Gerhard Janu).

April 2009:
Unser großes Projekt zum Astronomiejahr 2009 geht gut voran: Die Kamera wird in der ersten Maihälfte fertig. Dr.Pavel Spurny vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften hat überaus dankenswert angeboten, sie dann einen Monat lang in Ondrejov zu erproben. Die Planfilme 9x12 cm Ilford FP4 samt Entwicklung, Auswertung und Archivierung werden beigestellt! Zugriff auf Wunsch und Datenreferenz wurden zugesagt - ein großes Geschenk aus unserem Nachbarland! Die letzte Rate samt Mehrwertsteuer müssen wir noch bei Übernahme zahlen. Für alle Spenden ganz herzlichen Dank!

Mai 2009: Vollautomatische Meteorkamera!

Das große Projekt des Österreichischen Astronomischen Vereins geht rasch der Fertigstellung entgegen. Das Turmfundament ist schon in Errichtung; das Zementwerk fertigt die 1m hohen 166cm-Durchmesser Brunnenringe und Deckplatte. Gedankt sei dafür dem Sternwartenleiter Gerhard Janu, der dies umsichtig und rasch lokal organisierte. Die Kamera wird auf einer kurzen Säule stehen, um die nach derzeitigem Stand ein schmaler Steg mit Geländer zu Servicezwecken verläuft. Das Turminnere dient als Dunkelkammer für den Filmwechsel und zur Aufbewahrung der vom Verein Waldviertler Sternwarte Orion gespendeten Ausziehleiter. Der Bürgermeister und Hauptschuldirektor Johann Höllrigl der Marktgemeinde Martinsberg hat die Errichtung des Turmes überaus dankenswert zugesagt. Schon hat die EVN den Anschluß erstellt und die TELEKOM, die das Telefonkabel unentgeltlich geliefert hat, wird auch den Anschluß kostenfrei vornehmen.

Turm der Vollautomatischen Feuerkugelkamera in Öd bei Martinsberg NÖ (Animation A.Janu). Höhe Oberkante Kamera 5,2m, Durchmesser 1,7m. Daneben die Waldviertler Sternwarte Orion mit Cassegrain 31/425cm.

Eine besondere, erneute Hilfe kündigte Dr. Pavel Spurny vom Institut für Astronomie der Tschechischen Akad. d. Wiss. mit der Beistellung des justierbaren Basisteils für die Kamera an, und auch die Kameraprüfung in Ondrejov verlief sehr günstig. Die Kamera erfaßte am 14.April ihre erste Feuerkugel und die Bilder sehen prima aus! Die Lieferung wird nach Abschluß der Prüfung wie geplant noch im heurigen Frühjahr erfolgen und es kann dann dank der zugesagten Subvention des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung die letzte Rate samt Mehrwertsteuer beglichen werden. 
Der Österreichische Astronomische Verein dankt sehr für alle Spenden, die trotz der Finanzkrise eintrafen. Red.

Juli 2009: Fortschritte
Wie vorgesehen noch im Frühling wurde bei strahlendem Sonnenschein am 17.Juni die Kamera von Dr. Spurny (Leiter der Abteilung "Kleinkörper im Sonnensystem" des obg. Instituts für Astronomie, von Ing. Miroslav Halik (Herstellerfirma Space Devices) und Ing. Martin Cupak (ESA) auf dem Turm montiert. Dann folgte der Anschluß an Stromversorgung und Internet sowie die Erprobungen. Seit dem frühen Morgen des 17.Juni war Gerhard Janu, Leiter der benachbarten Waldviertler Sternwarte Orion, mit der Martinsberger Firma Ledermüller vor Ort. Sie bereiteten den Turm auf die Ankunft der Herstellerfirma "Space Devices" mit der Kamera vor.
Als der Transport aus Prag vertragsgemäß eintraf, war der Turm fertig zum Aufsetzen der Kamera und für den Testbetrieb. Bis zum Festakt am 8.August und der damit verbundenen Tagesbusfahrt, stehen noch einige weitere Arbeiten an.

Dr. Spurny auf dem Kameraturm. (Bild: Dipl.Ing. Norbert Pachner)

Am 8. August kann das große wissenschaftliche Projekt unseres Vereins zum Astronomiejahr 2009, das weit in die Zukunft reicht, gefeiert werden!

August 2009:
In Öd bei Martinsberg NÖ steht nun der Kameraturm, dessen Oberteil hier gezeigt wird. Die Kamerahöhe beträgt 5,4 m. Der Turm beherbergt die Fernsteuerungs-Elektronik, einen Arbeitstisch und die ausziehbare Leiter für das Service der Kamera, die bis zur Turmplattform von 1,68 m Durchmesser reicht. Der Landschaftshorizont verläuft unter 4° Höhe und nächtlich störendes Licht fehlt fast ganz. Die Wetterverhältnisse auf der Hochfläche sind günstig.

Diesen Turm errichtete sehr dankenswert die Marktgemeinde Martinsberg und die Ausziehleiter ist dem Verein Waldviertler Sternwarte "Orion" zu danken. Der Betrieb erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Astronomie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Für die Förderung ist besonders dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Kulturabteilung des Landes Niederöstereich zu danken!

Festakt in Martinsberg am 8. August 2009 :
Siehe Online-Artikel um Sternenboten September 2009.

Rückblick auf fünf Jahre Feuerkugelstation Oed/Martinsberg 
Siehe Online-Artikel aus dem Sternenboten August 2013.

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"Blitzer"-Meteore

Ein Bericht von Wolfgang Schröter (Nov. 2021)

Unser Mitglied Wolfgang Schröter ist einer der erfahrensten Meteorbeobachter des ÖAV. Seit vielen Jahren dokumentiert er seine Beobachtungen sorgfältig und prägte für nur sehr kurz aufleuchtende Meteore den Begriff "Blitzer".

Das sind mit hoher Wahrscheinlichkeit helle Meteore, deren Flugbahn genau zum Beobachter weist. Dadurch haben sie (fast) keine seitliche Bewegung und blitzen sehr plötzlich auf, um nach wenigen Zehntelsekunden ebenso plötzlich zu erlöschen. Dem visuellen Eindruck nach ähnelt die Erscheinung einem in großer Entfernung ausgelösten fotografischen Blitz.

Infolge der speziellen Flugrichtung der Sternschnuppe erscheint der weiße Lichtpunkt unter den Sternen stillzustehen. Er ist fast immer heller als ein Stern 1. Größe, manchmal sogar heller als Jupiter. Pro Stunde treten 0–2 Blitzer auf, überwiegend unter größeren Höhenwinkeln, aber fast nie unter 30°. Wolfgangs Statistik weist seit 2018 in 70 Meteor-Stunden 58 Blitzer aus. Im Englischen spricht man öfters von single flashes of light in night sky. Im folgenden sein Bericht.
Gottfried Gerstbach, 30.11.2021

Blitzer-Statusbericht 002 

Zu Beginn des vorliegenden Berichtes möchte ich noch einmal die bereits im ersten Blitzer-Bericht gelieferte Beschreibung der Blitzer-Eigenschaften wiederholen:

Form .................... punktförmig
Aufleuchten ........... plötzlich Leuchtdauer – etwa 0,2 bis 0,4 Sekunden plötzliches Verlöschen
Helligkeit ............... etwa 0 bis -1 mag, seltener bis -3 mag
Farbe .................... reines, kaltes Weiß
Lateral-Bewegung .. keine oder fast keine
Altitude ................. meist deutlich über 35°, fast nie unter 20°

Vom visuellen Eindruck her ähnelt ein Blitzer einem in großer Entfernung ausgelöstem elektronischen Blitzgerät.
Dies ist eigentlich die anschaulichste Beschreibung.

Eigene Beobachtungen

Entdeckt habe ich die Blitzer bei meinen Perseiden-Beobachtungen. Diese führe ich seit dem Jahr 2004 regelmäßig in der Zeit
um das Perseiden-Maximum (12. August) durch und führe darüber auch schriftliche Aufzeichnungen. Trotzdem kann ich nicht angeben, wann ich meinen ersten Blitzer gesehen habe.
Anfangs habe ich diese Phänomene nämlich in meinen Berichten ignoriert, da ich sie nicht erklären oder einordnen konnte.
In den Perseiden-Berichten der Jahre 2009 und 2010 erwähnte ich bereits Blitzer, listete sie aber noch nicht explizit auf.
Seit dem Jahr 2011 werden die beobachteten Blitzer in meinen Perseiden-Berichten explizit aufgelistet. Seit 2009 habe ich in fast jeder Perseiden-Saison Blitzer gesehen, nur 2012 nicht - obwohl ich damals auf 9 Beobachtungs-Stunden kam.

Seit September 2021 führe ich systematische Satelliten-Beobachtungen durch. Auch dabei sehe ich immer wieder Blitzer, die ich in den Beobachtungs-Berichten vermerke 

Durch die Auswertung der Perseiden-Beobachtungen (ab Aug. 2011) und der Satelliten-Beobachtungen (ab Sept. 2021) konnte ich eine Blitzer- Statistik zusammenstellen, die nunmehr laufend aktualisiert wird. Je mehr Daten ich sammle, desto aussagekräftiger wird die Statistik.
Für einen Kalendermonat wird ein Datenblock angelegt, der die Summe der Beobachtungs-Stunden, die Summe der Blitzer-Sichtungen und die durchschnittliche Stundenrate enthält. Für die Jahre 2011 bis 2020 gibt es nur einen Monats-Datenblock pro Jahr, nämlich für den August - den Perseiden-Monat. Erst ab dem Jahr 2021 gibt es auch Daten für andere Monate,
da ich erst 2021 mit den systematischen Satelliten-Zählungen begonnen habe.

Blitzer-Sichtungen sind sozusagen „Beifang“,
zu dem es üblicherweise nur dann kommt, wenn ich mit freiem Auge stundenlang ein großes Himmels-Areal absuche – und das ist eigentlich nur bei Meteor- und Satelliten-Beobachtungen der Fall.

Meine bisherige Statistik lässt noch keine präzisen Aussagen zu, doch soviel lässt sich bereits jetzt sagen: Blitzer kommen nicht sehr häufig vor, aber extrem selten sind sie auch nicht. Wer bei halbwegs brauchbaren Sichtbedingungen (mindestens Stadtrand) ein bis zwei Stunden lang aufmerksam mit freiem Auge den Himmel beobachtet, hat gute Chancen, einen Blitzer zu sehen. Eine Garantie dafür gibt es freilich nicht!

Bei den August-Beobachtungen von 2011 bis 2021 gab es bei den Blitzer- Stundenraten sehr starke Schwankungen, nämlich von 0,0 bis 1,6. Die Schwankungen waren völlig unregelmäßig, und ich konnte keinen Trend herauslesen - weder steigend noch fallend !

Was die sonstigen Monats-Statistiken betrifft, habe ich bisher (Stand November 2021) erst relativ wenige Daten. Soweit zu meinen eigenen Blitzer-Beobachtungen.

Recherchen

Meine weitere Überlegung war :
Da Blitzer zwar nicht sehr häufig, aber auch nicht extrem selten auftreten, müssten eigentlich auch andere Personen welche gesehen haben. Also machte ich mich auf die Suche nach Blitzer-Berichten von anderen Leuten. Auf der Suche googelte ich im Internet herum, zunächst auf deutsch, später auch auf englisch. Weiters machte ich (via Gottfried Newsletter) eine Umfrage beim Österreichischen Astronomischen Verein.

Im Internet fand ich einiges: im deutschen Sprachraum eher weniger, im englischen Sprachraum mehr, z.B. www.gutefrage.net helles-sehr-kurzes-aufleuchten-am-nachthimmel , www.backyardastronomy.net single-flashes-of-light-in-night-sky

Bei meiner Umfrage im Newsletter des ÖAV erhielt ich bisher (Stand 26. Nov. 2021) nur eine einzige Rückmeldung, diese war allerdings ausführlich und sehr interessant.

Um meine Such-Ergebnisse kurz zusammenzufassen :
Ja, es haben auch andere Leute Blitzer-Phänomene beobachtet, und vermutlich gar nicht so wenige Leute. Die Personen, von denen die Berichte stammen, sind teilweise Laien, teilweise haben sie aber naturwissenschaftliche und astronomische Kenntnisse. Nicht alle Berichte sind gleich präzise, aber aus vielen ist doch zu entnehmen, dass die betreffenden Personen die gleichen Phänomene gesehen haben wie ich. Etliche Beobachterinnen und Beobachter machen sich über die Blitzer Gedanken und suchen nach Erklärungen für diese Phänomene.
Häufig geäußerte Vermutungen sind, dass es sich bei den Blitzern um Meteore oder Satelliten-Flares handeln könnte – was auch für mich die beiden wahrscheinlichsten Thesen sind.

Mögliche Erklärungen für das Blitzer-Phänomen

These 1 - Blitzer sind Meteore, die genau auf die beobachtende Person zufliegen.
Pro : plötzliches, kurzes Aufleuchten, plötzliches Verlöschen.
Contra : Wenn gerade kein Meteorstrom aktiv ist, sieht man fast keine normalen Meteore, aber sehr wohl Blitzer.

These 2 - Blitzer sind atypische, extrem kurze Satelliten-Flares.
Pro : Blitzer sind nach bisheriger Datenlage außerhalb von Meteorströmen nicht seltener als während deren Aktivität.
Contra : Satelliten-Flares schauen normalerweise ganz anders aus, weil deren Helligkeit nimmt allmählich zu und nach dem Maximum wieder allmählich ab. Die Leuchtdauer beträgt meist mehrere Sekunden.

These 3 - Blitzer sind elektrische Entladungen in der Atmosphäre.
Auf diesem Gebiet kenne ich mich zu wenig aus. Hinweise auf einen Zusammenhang mit Gewittern gibt es jedenfalls nicht.

These 4 - Blitzer entstehen durch Einschläge energiereicher Teilchen in der Netzhaut der beobachtenden Person.
Contra : Bei Astronauten ist dieser Effekt bekannt, aber solche Teilchen werden es kaum bis zur Erdoberfläche schaffen. Außerdem könnten in diesem Falle nicht mehrere Personen den selben Blitzer wahrnehmen.

Mögliche Lösungen

Von einem einzigen Beobachtungsort aus kann man zwar die Richtung eines Objektes, aber nicht dessen räumliche Position und damit auch nicht die Entfernung feststellen - zumindest dann nicht, wenn man keine Bezugspunkte und keine Ahnung von der Größe und der tatsächlichen Helligkeit des Objektes hat. Könnte man Blitzer von mehreren Punkten aus beobachten, dann könnte man ihre räumliche Position und damit auch ihre Entfernung und ihre Höhe durch Triangulation bestimmen. Wenn das gelänge, wäre viel gewonnen.
Anmerkung GG: die gleichzeitige Beobachtung durch zwei räumlich entferne Personen ist leider ziemlich unwahrscheinlich.

Beträgt die Höhe einige hundert oder einige tausend Kilometer, dann muss es sich um Reflexe von Satelliten oder Weltraum-Müll handeln. Beträgt die Höhe etwa 60 bis 100 Kilometer, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um Meteore. Ist die Höhe wesentlich geringer als 60 Kilometer, dann sind es vermutlich atmosphärische Entladungen.

Die Triangulation würde freilich nur dann funktionieren, wenn die Blitzer in alle Richtungen blitzen. Würde hingegen ein scharf gebündelter Lichtstrahl abgegeben, könnte nur eine Station einen Lichtblitz sehen, die anderen aber nicht.

Klosterneuburg-Weidling, den 26. 11. 2021, Wolfgang Schröter